Dichterhain (JBHart)


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Einführung

Man möge es kaum glauben, aber jeglicher zukunftsbezogener Blick, sei’s Film oder Buch, beschreit die neuzeitliche Technik. Jeder Griff und jeder Schritt wird dem Menschen erleichtert, sodass er sich bald nicht einmal den eigenen Arsch abwichen muss. Man mag es kaum glauben, zumindest sollte man es auch nicht, das wir Menschen einmal wie Blätter so faul, den mechanischen Einrichtungen beim arbeiten zu schauen. Allein bei solch einer Situation, wie sie uns heute zu Füssen liegt, sollte man sich wohl eher der Dinge rudimentärer annehmen. Und wenn es nur meine Vorstellung einer penetranten, verkrankten und winselnden Zukunft ist, so hoffe ich doch das es die richtige ist.

1. Sonnenstrahlen

Meine Blicke schweifen hinab vom Esstisch der nur ein Stein mit fast gerader Auflagefläche ist und von einer alten zerfetzten Landesfahne überdeckt wird. Es hat aufgehört zu regnen und die Sonne entbehrt für kurze Zeit ein paar Strahlen durch die ungewaschene Wolkendecke am Himmel. Himmel!, klar und rein zu sehen? ,- nicht weniger als eine Sonnenfinsternis. Langsam legen auch die anderen ihre Brote und Sträucher auf den Tisch um aus dem Brückenbogen hervor zu treten und der Sonne sein Gesicht zu zeigen. Ein Lichtspiel von derbster Auswirkung für mich, weil ich nicht weiß, ob ich froh oder eher traurig sein sollte. Doch ich halte meine Tränen und blicke stumm mit den anderen ins helle Glück. Alles ist ruhig, nur in der Ferne hört man noch wie die letzten Garagentüren aufgehen. Ihre verrosteten Läufe knirschen beißend in der Luft und doch sind sie die Nobelwohnungen der Gegend. Man zahlt zehn Euro für eine kleine Garage, doch das ist schon zuviel für uns. Jeder einzelne von uns ist froh wenn er einmal einen blauen fünfer Besitz, der dann sofort zur Verwahrung in die Unterhose wandert. Und selbst der bringt gerade mal Brot für zwei Wochen, da können die, die ein Auto besitzen, ein bisschen mehr erbringen. Obwohl diese Art von Ottomotorwagen nicht mehr fährt, zählen sie noch als eine der besten Bleiben für Gutverdiener. Über dem Daum sagt man: Wer ein Auto besitzt verdient so zwischen siebzig und neunzig Euro. Diese Leute haben es, können sich ihren eigenen Tresor leisten, ihr Auto. Vorne auf den Sitzen steht meistens das Fahrrad und andere Utensilien zum wohnen. Hinterbänke gibt es bei keinem Auto mehr. Alles wird rausgerissen und zu einer kleinen Ein- bis Zweimannzelle ausgebaut. Während bei den Autos die Tanks als Trinkbehälter dienen, müssen wir jeden Tag einen Kilometer an den Fluss hinunter laufen um unsere Eimer zu füllen. Der Fluss ist ein allgemeiner Treffpunkt. Im Regelfall bleiben wir länger unten um uns immer wieder auf dem neusten Stand zu halten. Heute gehen wir recht spät hinunter zum Fluss, weil wir den Sonnenstrahlen nicht widerstehen konnten und sie lange begutachtet haben. Sie waren heute aber auch lange zu sehen, fast anderthalb Stunden. Während einige von uns auf der Suche nach brennbaren für heut Abend sind, erreichen wir gleich den Fluss. Man merkt, das wir heute wieder sehr spät sind, den das Ufer ist nun schon üppig besetzt und der Fluss birgt nur noch wenige stellen an dem keine Seife aufgeschäumt ist. In der Zeit wo meine Freunde nach der perfekten sauberen Stelle im Wasser hechten, versuche ich Laugentommy zu finden. Jeder kennt ihn unter diesem Namen und er darf sich auch großer Beliebtheit erfreuen, weil er seine selbstgemachte Seife für Freundschaftspreise anbietet. Für ein Stück Seife verlangt er gerade mal zwei Cent, nicht so wie die Lackaffen aus der Firma, die für ihre Seife wahrhaftige dreißig Cent haben wollen. Ich sehe ihn und rufe ihm nach. Er dreht sich sofort um und kommt mir entgegen.




2.Die Stadt Mitte!

„Ah, Paul! Wieder einmal was für die Sauberkeit tun?“, er hat einen recht feinen Ausdruck in seinen Sätzen, als ob er seine Seife jeden Tag essen würde. Dem hinzu benimmt er sich auch sehr akkurat. Ich glaube es kommt daher weil er im Gegensatz zu den anderen noch Arbeit hat. Das was wir machen, das ist das harte Leben und so reden wir auch. Er aber macht seine Seife, stellt sich hier unten ans Ufer, verkauft sie und hat immer ein sicheres Gehalt womit er über die Runden kommt. Ich krame in meiner Tasche hohle zwanzig Cent hinaus und bestelle zehn Stück Seife.
„Da hast du aber Glück Paul, ich habe gerade noch zwölf Stück in meiner Kiste“
„Na dann lass mal rüber wachsen deine besten Stücke!“
„Hier hast du sie!, ach hast du schon gehört, in der Mitte ist morgen wieder eine Nobelausstellung. Ich glaub ich werde da mal hingehen, vielleicht finde ich ja mal etwas was mir bei meiner Produktion weiter helfen kann.“
Mit unterdrückter Wut antworte ich nur: “Ja wirklich?“ und gehe von dannen. Diese so genannten Nobelausstellungen in der Stadt Mitte regen mich einfach auf. Irgendwelche Schnösel stellen da Sachen aus alten Zeiten zur Schau die man, wenn man überhaupt Geld besitzt, kaufen kann. Klopapierhalter, Autofelgen, verzierte Spiegel und anderen Mist, den ein normaler Mensch der hier am Fluss wohnt so oder so nicht braucht. Dem hinzu werden diese Ausstellungen so bunt veranstaltet, dass jedes Kind unbedingt dort hin schlendern will und sich dann einreden lässt, dass das die Zukunft sei. Die Jünglinge dieser Zeit kennen das natürlich alles nicht und deswegen sind sie auch, neben den anderen Schnöseln die sich da rum treiben das einzige Ziel für die Händler. Wie viele Kinder haben von ihrer Mutter schon einen Fünfer in die Hand bekommen um Brot zu holen und sind dann mit einem Jojo zurück gekommen. Früher wäre das wahrscheinlich nicht so schlimm gewesen, aber heute ist das schon ein derber Einschnitt im Kampf ums überleben. Das ist krank! Das was die da verhökern, hätten sie damals jedem Penner hinterher geworfen und heute ist das ein Luxusgüter den man um jeden Preis so hoch wie möglich verkaufen muss. Und so was regt mich einfach auf! Früher wussten sie mit ihrem Geiz und ihrer Gier nicht wohin, so dass sie ihr Geld in einen verdammten Krieg rein steckten und heute tut es ihnen nicht einmal leid was sie damit angerichtet haben. Natürlich werden morgen wieder alle da sein und den alten Zeiten hinterher winseln und auf jeden Fall wird es auch wieder einmal mit den Rebellen eskalieren. Der Staatsschutz, ja heute im wahrsten Sinne des Wortes, wird wieder jeden niederknüppeln bis die Bonzen ihre Sachen gepackt haben und sich in die sichere Wohngegend zurück gezogen haben. Danach wird der Staatsschutz wieder alle laufen lassen, weil der Knast ja schon etwas luxuriöseres ist, als das Leben was wir hier kennen. So weit sind wir, selbst die Sünde ist schon keine mehr und es würde mich nicht wundern wenn als einzige Lösung der Galgen wieder aufgestellt werden muss, damit die Regierung endlich das brave Volk bekommt was sie wieder haben will. Doch das wird nie funktionieren, denn ihre Ressourcenausbeutung ist der Neige verfallen, gleich wenn es auch ein ordentliches Leben in den Großstädten geben soll, wird die größte Menge der Menschen nie mit auf den Zug springen können. In den Großstädten soll die Wirtschaft wieder funktionieren, doch profitieren tun da auch nur die Leute die Geld haben. Mit ein wenig Glück schafft man es höchstens als Reinigungskraft, was natürlich schon ein riesiger Erfolg ist. Wenn man hier von etwas träumen kann, dann davon, das man ein russisches Wörterbuch findet und dessen Sprache lernt. Denn in den Regionen wo damals über Jahre hinweg alle in bessere Regionen auswanderten beginnt heute der Boom. Zwar sind da die Ressourcen ebenfalls knapp, jedoch lässt sich ein für heutige Verhältnisse ordentliches Leben aufziehen. Doch wie soll man hier weg kommen? Das was man heute als Fortbewegungsmittel noch hat sind rapsölangetriebene Autos beziehungsweise Züge, die natürlich Demenz teuer sind weil Rapsöl ja auch nicht an jedem Baum wächst. Es gab zwar schon einige die es versucht haben aufzuspringen, aber die Chance auf solch einen Zug zu kommen ist gleich Null, weil die Passagiere dieser Züge ja alles reiche Schnösel sind und die werden natürlich bestens bewacht. Und das dich so ein reicher Vogel einfach mal mit nimmt ist ebenfalls gleich Null. Die glauben ja von jedem von uns, sein es selbst Kinder, das wir ihnen die Köpfe von ihren Körpern reißen. Als letzte Möglichkeit bliebe dann noch die fahrt mit dem Fahrrad, die einige versucht haben. Mit Glück und letzter Ausgelaugtheit könnte man es schaffen, jedoch müsste man auch da mit viel Kapital auf reise gehen, denn wo sollte man unterwegs etwas zu Essen bekommen, so gut wie das von jedem ins Auge genommen wird lässt sich das auf jeden Fall nicht klauen. Ich glaube kaum das einer von ihnen jemals in bessere Länder gekommen ist, bisher war eher jeder froh das er es wieder zurück geschafft hat, als er gemerkt hat, das er es nicht weit bringen wird. Es wäre hier auch nicht zu vergessen zu erwähnen, das man erst einmal über die Grenze kommen muss. Fast alle Länder, sofern sie noch kulturell bestehen, liegen untereinander in tiefster Abneigung. Da kann man schon das dumme Pech auf seiner Seite haben und als Frühstück für irgendjemanden enden, denn in solchen Zeiten hilft einem alles um über die Runden zu kommen. Anders haben wir das auch nicht durch gemacht bis wir uns finanziell wenigstens ein wenig sichern konnten. Tom musste sein Hund opfern und die Pferde des Reiterstalls wurden von den Reichen leider zu spät in Sicherheit gebracht.



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