Dichterhain (JBHart)


* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Themen
     Dichterhain
     Der Schreiberling
     Narrenschiff
     Neidtexte

* mehr
     Das räudige Leben (Kapitel1)
     Willst du schlafen gehen?

* Links
     elcommandante
     500beine
     Messias
     promisc
     J.B.Hatecraft
     Tabulatoren
     Toplisten








Kapitän, oh Kapitän

Das Volk lebt doch!
Aber eben nur in den wohl schlimmsten, dreckigsten und unbeliebtsten Ecken des faulenden Deckes. Verwundert geht ein mancher über knarrende Dillen unter denen ein Lied ertönt, wo sein Herz so gleich nach argem Hass aufstöhnt. Verfolgungswütig wie ein schöner Duft in der Nase leitet einen das Ohr in den tiefsten Keller, wo man überrascht freundlich ein Seidel in die Hand bekommt. So steht man unten, wo es stinkt und darbt und doch ist des Kopfes Freiheit rein wie Glas geblasen. Ein poltern und stoßen ist auf den Tischen zu vernehmen. Im viertel Takt drischt das Seidel auf den Tisch und ein blechernes Klirren, ein dumpfes Knarren und ein wildes Stampfen ist im Raum zu vernehmen. Ein rohes Durcheinanderschlagen was doch harmonisch klingt, beschallt den tiefen, wässrigen Raum und ein Chor klimmt in ganzer Reife vorher. Aus jedem Munde rauscht der Ton von Riemen, düster, dreckig und doch verständlich.
„Kapitän, oh, Kapitän,
deine Habsucht wollen wir sehen.
So viel Salz, viel Salz,
Soll stecken bleiben in deinem Hals“
Immer wieder schleudern die Töne wie ein helle Erkenntnis, von der man meint des Lebens Sinn gefunden zu haben, durch den Raum. Sie bellen an den Wänden zurück und die sonst versalzte Haut bekommt Hügel der Glücklichkeit zu spüren. Der Abend soll nie enden, doch wenn die Stimmen langsam verklingen und nur das Räuspern der Traurigkeit einen Klang erwidert, dann sind die Gedanken aller wieder auf dem Meer. Mistiges Elend und hinten am letzten Tisch in der Ecke versucht sich ein Matrose an einem aufmunterndem Witz. Keiner kann lachen, alles schweigt. An der Satire hat man nur die Tränen gefunden, nicht den Spott und auch nicht s anderes. Es schweigt so lange bis wieder ein Klopfen ertönt und die Kehlen ranzig Knarren.
„Kapitän, oh, Kapitän,
deine Habsucht wollen wir sehen.
So viel Salz, viel Salz,
Soll stecken bleiben in deinem Hals“
Nur die Müdigkeit holt sie aus dieser Euphorie der Hoffnung wieder heraus und ein neuer Tag voll trügerischem Sonnenschein blendet über die gefetteten Harpunen. So traurig wird der letzte Schluck gesoffen und dem Bett entgegen gekrochen. Alles wird wieder alt werden, wieder schlecht und die Lider klappen nieder.....
2.7.06 17:29
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung