Dichterhain (JBHart)


* Startseite     * Über...     * Archiv     * Gästebuch     * Kontakt     * Abonnieren



* Themen
     Dichterhain
     Der Schreiberling
     Narrenschiff
     Neidtexte

* mehr
     Das räudige Leben (Kapitel1)
     Willst du schlafen gehen?

* Links
     elcommandante
     500beine
     Messias
     promisc
     J.B.Hatecraft
     Tabulatoren
     Toplisten








Tagebucheintrag 3.Oktober

Wir treiben weiter hinaus aufs Meer und nur die Geier machen sich noch die Mühe uns zu folgen, zu beobachten und gedanklich zu zerfleischen. Der Mast lodert in der brennenden Sonne und der Aussichtturm ist ein gefährliches begehen. Schon seit Tagen hat niemand mehr das Ganze überblickt, nur zerkratzte Fässer und verwelkte Blumen lassen erahnen wie nah wir unserem Tode sind. Salz, soviel Salz, verklumpt und dreckig, gibt es zur Feier des Tages. Die Fahnen, so zerfressen sie auch sind, wehen im Wind. Nicht den Stolz bringen sie in unser Herz, nein, das längst Vergangene. Kinder laufen über Bord und spielen, feiern, weil sie es nicht anders kennen. Wie gut es ihnen doch geht. Mit drüben Ausdruck im Gesicht der Vater hinterher und der Mutter verbitterter Versuch keine Träne zu entbehren. So ziehen sie auf dem modernden Deck, gefangen vom schönen Übel, dem Meer, durch das Miasma in der Luft. Lieder kreischen aus den Mündern von bediensteten Sängern der Brücke und nur in tiefsten Ecken hört man die wahre Besatzung mit ihren rauen Stimmen aus denen die verbotenen Delusionen wimmern. Der Steuermann fährt Kreise und mein Hals droht zu schließen, weil wir immer wieder in den alten Gestank hinein fahren. Auch der Kapitän, der sich vorhin noch mit gehobenen Haupt auf der Brücke feierte, hat sich in die Kombüse verdrückt um den Geruch von Fleisch und Wein zu schnuppern.
In der Nacht, hier wo ich meine letzten Eindrücke zu Worten bringe, ist es Still und jedes Auge blickt dem Sternenhimmel empor. Nur der Klabautermann bringt seinen laut. Es knarrt und klopft und ein Traumland in den Köpfen ist entstanden. Mein Körper ist schwer und ungehalten. Bis in die letzten Nervenbahnen versuche ich mich zu besinnen, den Tag zu streichen und die Brücke zu vergessen. Neben mir ein großer Knall, ganz ohne Schrei und Atem. Ein Matrose ist gesprungen, sucht das Weite in der Nacht und wird seine Ruhe finden...
17.5.06 14:51
 


Werbung


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Anna / Website (11.6.06 19:26)
sehr weich irgendwie geschrieben, wenn du verstehst was ich meine. toll. und so schön.

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung