Dichterhain (JBHart)


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Mein Keller ist zu klein!

Gefährliches Gedankengut streichelt mir an der Hirnrinde. Diese elenden Kopfschmerzen – jeden Tag! Vom kleinen Stechen bis zum erbarmungslosen Bohren und Hämmern. Die Gedanken in dem Beben bleiben mir, doch ist mir gleich, wie wichtig jeder einzelne von ihnen ist. Ich kratze täglich tief in meiner Lederbörse und errechne mir in Zahlen was überbleibt für mein Leben. Welch Traurigkeit.

Ich stehe im Weinberg, die Bütte auf den Schultern, die Kapuze zu geschnürt, der Wind weicht mir schlangenförmig. Meine Ohren sind gespitzt auf den nächsten Ruf eines Lesers, seine Trauben begierig als Last auf mein Rückrat zu legen.
Und die Knie, wer denkt an mich?

Die volle Bütte den Hang hinab und wieder rauf und abermals warte ich, um an die 6 Zentner auf die Schultern gepackt zu bekommen. Wankende, rotbeschmierte Lippenwesen treiben sich zwischen den Zeilen.
„TRÄGER!“ Und wieder mein Einsatz! Für was? Allein für ein festen Schlaf und ein zahmes Schaben im Leder. Doch besser als gar nichts.

Unter der Kniescheibe gräbt sich schon wieder eine Kolonie von Maulwürfen um sie zu durchdringen. Jeder Schritt ist ein Schnitt, der mir die Beine sanft amputiert. Jede Vene schnürt sich fein, jeder Nerv will längst nicht mehr sein. Welche Schmerzen. Für was?

Ich saß im Krankenhaus. Sprechtermin beim Doktor. Wandelnde Invaliden und kampfeslose Zitterbacken erheiterten sich in Wochenzeitungen und saugten jedes Wort wie eine Hoffnung in die todgrellen Augen. Sie sind gefangen. Was sollen sie auch tun. Was sollte ich tun, als zu gehen?
Um mich in die Röhre zu schieben bedarf es so oder so eine Wartezeit von mindest einem halben Jahr. Ich will nicht so werden!
Kaputtgespielt!
Noch kann ich alles geben und muss nebenher noch alles halten. Ich würde mir ein zu zeitlichen Aufwand machen, wenn ich mich jetzt fachmännisch auf ein Blatt Papier notieren ließe für ein Ritt in die Röhre. Meine Zeit kommt noch!
Wenn ich dann endlich ein Ring kaufen kann. Wenn ich sie frage, ob sie in meine neue Wohnung mit Balkon ziehen will. Wenn ich auf dem Amt mein unbefristeten Arbeitsvertrag hinlegen kann und den Rechner für eine vierstellige Zahl zücken muss. Meine Zeit wird noch kommen, vielleicht?! Ich muss nur weiter machen. Keine Zeit für Pausen.

Eventuell könnte ich zwischen den Überstunden am Samstag früh und den ehrenamtlichen Verantwortungen am Nachmittag mal wieder ein Mittag mit meinem Mädchen verbringen. War sie vor kurzen nicht einmal beim Friseur? Ich glaube ja!? Es ist schön zu wissen das man jemanden an seiner Seite hat, auch wenn man eigentlich alleine ist. Wie sie wohl aussieht. Und wie ist es mit meinem Spiegelbild. Mal schauen ob ich Zeit finde mich schick zu machen?

Ich laufe zu meinem wöchentlichen Handballtraining. Die Knie gehen wie zwangsgeölt ganz gut. Bei der ersten Erwärmungseinheit ist dann aber die Maulwurfkolonie wieder zu Gange. Zu schnell gebremst. Richtungswechsel sind für mich die Rentner der Bewegung. Sie lähmen, bremsen, strecken mich. Wie soll das weiter gehen?
Es lege ja auf der Hand einfach damit aufzuhören. Ältere Menschen machen dies und wenn ich mich alt fühle, warum ich dann nicht auch? Doch ich bin verrückt! Und wer will so mit mir leben? Die, die es wollen, wollen auch nicht das ich so lebe. Doch wie soll ich ihnen dann mit innerer Ruhe und materiellem Gut entgegenstehen. Verrückte leben des öfteren in Zellen und ganz allein. Meine Zelle ist die Welt und ich will sie teilen, oder nicht? Jetzt beben wieder die Gedärme des Hirns! Man könnte es entbehren wenn man etwas Erfolg vorzuweisen hat.
Aber... ich muss daher noch etwas roboten. Beiläufig nun alles was einem Lieb ist zu halten, scheint schier unmöglich. Nur wenn die Faulhaut kürzer kommt und der Schlaf in den Tod verschoben wird, besteht eine Möglichkeit. Wohlersehntes Glück komm bald.
Manchmal wünschte man es wäre schon die Zeit - und andernfalls vergeht sie viel zu schnell.
Kaputtgespielt!
22.4.08 19:57
 


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bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Kredit / Website (24.4.08 18:37)
wünsche es dir nicht den tod sondern genesung


text service / Website (24.4.08 18:38)
der tod kann erlösung heissen


auslamdspraktika / Website (24.4.08 18:40)
lass den kopf nicht hängen kämpfe

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