Dichterhain (JBHart)


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Ich will sie schreien hören!

Das Fenster ist offen. Ich wische die verstaubte Fensterbank vor meinem Mittagstisch noch einmal ab und erhoffe mir, dass die Ruhe aus dem toten Felde neben meinem Haus mich nicht wieder zu sehr stranguliert.
Die Sonne strahlt sehr matt durch die Küche, legt sich mit dem Schatten bald in Einklang. Keine Regenwolken in Sicht! Das Mückennetz streckt die wahre Pracht der Sonne dahin, aber ich kann es nicht entfernen. Dreckiges Insektenvolk tummelt sich auf dem toten Felde neben meinem Haus. Ganze Kolonien hausen da und in Horden verirren sie sich an meinem Fenster. Wie wild gewordene Bettler rasen sie gegen das eng gestickte Netz! Verlassene Landschaft. Nicht mal ein Atomkraftwerk würde man hier in dieser abgemagerten Region noch bauen. Wenn es überhaupt gehen würde? Ab und zu hört man einen Falken kreischen. Manchmal schaue ich ihm auch zu. Zielstrebig und mit System umkreist er das Feld. Dann geht er abwärts, packt zu und hat immer seinen Erfolg. Der schwarze Ritter des Feldes! Es scheint als säubere er das Feld. Er hat seine Augen überall, - über seinem Feld und alles was nicht hinein gehört packt und trägt er von dannen.
Trostloses, leeres Feld, welches bestückt ist mit Ruinen. Viel zu oft sehe ich in ihm die junge Hoffnung die darin lebte. Ich wünscht ich könnte diese Ruinen nur einmal noch schreien hören.
Damals schloss ich das Fenster und war besorgt. Ich öffnete es und hörte Kinder schreien. Alle Sorgen waren vorüber, sie schrieen und das hieß, ihnen geht es gut. Ich war glücklich!
Heute hab ich es offen, will es aber noch weiter öffnen und wische dann die Fensterbank ab um mir das Alibi für meine Vergesslichkeit zu verschaffen. Vergesslichkeit? Gute Gewohnheit ist mir das liebere Wort.
Ich schließe es auch noch wenn Besuch kommt, um sich in Ruhe unterhalten zu können. Keiner versteht warum ich das tue. Ich sage immer nur: „Wegen den Kindern! Wer will ihnen ihre Freiheit nehmen, wir doch bestimmt nicht!“ Mittlerweile weiß ich auch, dass dies ein Aufgabengebiet der Politik ist.
Krankhafte Blicke entgegnen mir, bis ich es einfach als eine alte Gewohnheit abschmettere was ich tat.
Ich öffne dann wieder das Fenster und mit bebendem Herz erhoffe ich mir, es würden Kinder schreien...Doch nichts!
Und wenn dann mein Gast noch fragt, wieso an diesem Platz gerade Kinder schreien sollten und noch die Vermutung hinzufügt, man bekäme hier einige Vergewaltigungen zu hören, ist das sehr enttäuschend für mich. Ich wäre der letzte, der dann sein Fenster schließen würde, geschweige denn, am Fenster noch stehen würde!
Der Tag ist somit für mich gelaufen.
Was war einmal und was sind wir geworden?
An den Wänden der Stadt steht nicht mehr „Wir sind das Volk!“ - Nein, heut zu Tage muss man gleich 10 Dolmetscher zur Hand haben um das Gekritzel darauf zu verstehen. Obwohl sich das auch nicht lohnt. Was ist daran zu verstehen? Wörter die nur irgendwelche Gruppierungen benennen. Ich bleibe daher schon seit einiger Zeit lieber Zuhause. Denn da lohnt es sich noch das Wort „Zuhause“ als begriffsklar an zu erkennen. Die Region ist schon lang nicht mehr meine Heimat! Auf jeden der hier etwas ändern will, kommt Zeit für Zeit ein anderer ,der es wieder einreist. Und es ist wirklich ein „Anderer“!
Er schluckt die Zukunft und die Hoffnung darauf noch in die Zukunft zu planen!
So wie dieser Kindergarten hier nicht mehr steht, ist dies auch ein Zeichen, dass die Planung nach kleinen, tollpatschigen Querulanten nicht mehr möglich ist. Warum?
Ich will sie nur einmal noch schreien hören!
Nur einmal noch! Dann bin ich auch zu Hause! Lasst sie wieder schreien.
11.1.08 14:06
 


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