Dichterhain (JBHart)


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Du so wie auch ich

...und er saß neben mir in seiner gekränkten Haltung, schlürfte sein Bier, welches fest umkrallt sein wohl letzten Halt darstellte.

"He, mach dir kein Unmut, auch deine Zeit wird kommen und sei es die Zeit, in der du auch nur stirbst!"

Skol dem, was man Leben nennt!
4.8.08 18:14


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Ich bin wer ich bin!

Vier Wände umkreisen meinen sinnlos erdweilenden Körper. Die vergilbte Tapete gibt mir das bildliche Gefühl meines stinkenden Daseins und der Fügungen der ich mich ergeben muss. Man verlangt von mir das ich mich ändere und entsprechend der gegebenen Umgebung zu leben habe. Mein Kerker ist meine eingegrenzte Freiheit. Hier bin ich Mensch, hier lass ich mich gehen.
Gedanken kreisen wie Atome ständig um die Gedärme meines Hirnes. Denken ist mein Leid und zum vollziehen derer ist keine Zeit. Der Schlaf ist ein bekannter Feind, er ist eine Wendezeit die mich hindert. Nachts lass ich meinen Träumen freien lauf, dann kommt der Schlaf und am Morgen gebe ich diese Träume wieder auf. Ich brauche lange Zeit mir die Motivation für meine Ziele wieder neu zu legen. Arbeit drängt sich mir in den Tag. Und Hausarbeiten und elende Verantwortungen, bis ich damit beginnen kann, meine Ziele zu finden. Man verlangt ich solle glücklicher sein. Nach allem was mein Tag mir gibt, - ich soll glücklich sein und mich dem Erlebnis hingeben. Die Eiszeit meines Herzens gipfelt in mir auf. Für Ziele keine Zeit, sie zu erreichen. Dabei bin ich glücklich wie ich lebe. Es hat den Anschein, dass meine Ansichten von glücklich sein nicht mit den Empfindungen anderen eine Ergänzung eingehen. Für Ziele ist also noch keine Zeit. Sie wird verschwenderisch in Grundlagen verschleudert. Mich ändern? Ich muss mich ändern? Bin ich wer ich bin? ... nur in meinem Kerker! Zweisamkeit ist der Verlust der Kreativität. Der Freiheit?
Doch hat man das Herz nicht nur um das Blut in den Adern zu transportieren. Es setzt sich mit unserem dreckigen Gehirn in Konflikt und lässt uns fühlen. Es entwickeln sich Zwänge, etwas für sich haben zu müssen.
Ich werd mich ändern!
Ich drücke meine Zigarette am Ascherrand aus, blasse einen sehr gespannten Hauch aus und bewege mich widerwillig auf den Spiegel an meinem Wandschrank zu. Ich sehe mich. Ich merke nichts besonderes. Nur denken tue ich. Mir wird klar das ich sterben werde und alles kein Sinn hätte und das die Meere so groß sie auch seien, einst in sich fallen werden. Ich lächle mich in dem Spiegel an. Das erste was ich tun könnte, ist mir die Fresse zu polieren. So soll ich das alles in der Gesellschaft machen? Ich spanne meine Oberlippen weiter auf und merke das es mir schwer fällt dies als selbstverständlich zu empfinden. Ich lache in den Spiegel. Ich lache, weil ich es auch können sollte. Wer macht das? Die Welt fällt um mich ein und ich muss mich schwermütig berapplen wieder zu lächeln. Ich ziehe die Wangen ein Stück hoch und öffne meine Augen etwas mehr. Mir scheint es ein wenig besser zu gefallen. Ich experimentiere weiter in verschiedensten Versionen. Wie Knetgummi kommt mir meine Haut vor. Ich glaube nicht, dass ich dafür geschaffen bin. Aber was soll es. Man verlangt, also tue ich. Nach Minuten des zehren, ziehen und Streckens halte ich ein Lächeln und versuche es mir als eine Gewohnheit in den Muskel zu pressen. Nach einer Weile entspanne ich mein Gesicht und versuche nun die selbe Stellung wieder hin zu bekommen. Kein Problem, es klappt. Ich betrachte mich und überlege ob es auch funktionieren wird, wenn ich Zwanghaft glücklich sein muss. Ich beginne an etwas zu denken, was mich rasend macht und versuche nun dabei zu lächeln. Es funktioniert zweifelsfrei, bis auf das innere Gefühl, dass sich wie in Beton eingegraben, stetig mit Druck voll saugt und darauf wartet wie eine Bombe zu explodieren. Ich lächle mich weiter an. Mein Spiegelbild. Da steht jemand, der ich sein will, aber wie ein Verrückter grinst und eine falsche Ansicht von mir gibt. Ich haue ihm auf die Fresse!
Sanft rieselt das Blut von meiner Hand. Sie fühlt sich schön warm an und der Schmerz an den Rissen treibt meine Nerven zu einem wundervollem Takt. Wie kann ich jemand werden, der ich nicht bin? Der Takt treibt mich ins Bad, um die Blutung zu stillen und innerlich in den Frieden. Ich bin wer ich bin!
8.8.08 18:23


Im Westen nichts neues!

„Für mich ist die Front ein unheimlicher Strudel. Wenn man noch weit entfernt von seinem Zentrum im ruhigen Wasser ist, fühlt man schon die Saugkraft, die einen an sich zieht, langsam, unentrinnbar, ohne viel Widerstand.
Aus der Erde, aus der Luft aber strömen uns Abwehrkräfte zu – am meisten von der Erde. Für niemand ist die Erde so viel wie für den Soldaten. Wenn er sich an sie preßt, lange, heftig, wenn er sich tief mit dem Gesicht und den Gliedern in sie hineinwühlt in der Todesangst des Feuers, dann ist sie sein einziger Freund, sein Bruder, seine Mutter, er stöhnt seine Furcht und seine Schreie in ihr Schweigen und ihre Geborgenheit, sie nimmt sie auf und entläßt ihn wieder zu neuen zehn Sekunden Lauf und Leben, faßt ihn wieder, und manchmal für immer.
Erde – Erde – Erde!
Erde, mit deinen Bodenfalten und Löchern und Vertiefungen, in die man sich hineinwerfen, hineinkauern kann!
Erde, du gabst uns im Kampf des Grauens, im Aufspritzen der Vernichtung, im Todesbrüllen der Explosionen die ungeheure Widerwelle gewonnenen Lebens!
Der irre Sturm fast zerfetztem Daseins floß im Rückstrom von dir durch unsere Hände, so dass wir die Geretteten in dich gruben und im stummen Angstglück der überstandenen Minute mit unseren Lippen in dich hineinbissen!
Wir schnellen mit einem Ruck ein einem Teil unseres Seins beim ersten Dröhnen der Granaten um Tausende von Jahren zurück. Es ist der Instinkt des Tieres, der in uns erwacht, der uns leitet und beschützt. Er ist nicht bewußt, er ist viel schneller, viel sicherer, viel unfehlbarer als das Bewusstsein. Man kann es nicht erklären. Man geht und denkt an nichts – plötzlich liegt man in einer Bodenmulde und über einem spritzen die Splitter hinweg; aber man kann sich nicht entsinnen, die Granate kommen gehört oder den Gedanken gehabt zu haben, sich hinzulegen. Hätte man sich darauf verlassen sollen, man wäre bereits ein Haufen verstreutes Fleisch. Es ist das andere gewesen, diese hellsichtige Witterung in uns, die uns niedergerissen und gerettet hat, ohne dass man weiß, wie. Wenn sie nicht wäre, gäbe es Flandern bis zu den Vogesen schon längst keine Menschen mehr.
Wir fahren ab als mürrische oder gutgelaunte Soldaten – wir kommen in die Zone, wo die Front beginnt, und sind Menschentiere geworden.“
28.8.08 14:20





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